Andrés
von Baden-Baden aus
Der Göttlichkeit
des Ewigweiblichen
gewidmet
Andrés
von Baden-Baden aus
Ein Werdegang
von der
Einsamkeit
zu dem
AllEinSein.
1. Auflage, Juli
2002.
2. Auflage,
Oktober 2002.
3. Auflage,
Januar 2004.
4. Auflage, März
2005.bei
Hans-Nietsch-Verlag
Freiburg
Seelenzüge 9
Wiederspruch 11
Postmortemgebet 13
Rückkehr 14
Gebetsmarathon 15
Renaissance 17
Gebetsunfall 19
Anrufung 21
Augendritt 23
Wartungsgebet 24
Wallfahrt 25
Erfrierung 27
VierDe 28
Epiloggebet 29
Anlehnungszeit 33
Himmelfahrt 35
Luftpost 36
Omen 37
Flußkriech 38
Begegnung 40
Prema 42
Erscheinung 43
Umwandlung 44
Eden 46
Liebesziehungen 47
Treue 48
Heilmesse 50
Seelenzüge
Wie kann ein Mann ein Mönch werden,
ohne sich dabei zu widersprechen?
Wenn ich es erlaube, daß diese Zeilen sich dir zeigen,
so ist es deshalb, weil es mir gelingt, Gott in Dir zu schauen,
denn ich weiß, in welche Hände diese Blätter fallen.
Bitte bewerte sie nicht mit dem Urteil eines Manns,
der es nicht duldet, einen anderen Mann zu erfahren,
der Gefühle und Schwächen wie eine Frau zeigen kann.
Bitte nehme sie nicht mit der Angst eines Mädchens,
das Briefe eines alten Mannes liest, der um sie wirbt.
Nehme sie eher als Auszüge des Tagebuches
eines werdenden Mönches, der weiß, ganz gewiß,
daß niemand außer Gott sie entdecken wird.
Und trotzdem, in Momenten von Schwäche,
zeigt er sie seiner geliebten Seelenschwester,
die im Nonnenkloster lebt, auch alleinig in Gebeten.
Diese Zeilen sind die Züge des Antlitzes
der Gesichter seiner inneren Welten.
Sie sprechen nicht über seinen Körper,
auch nicht über die Irrwege seines Lebens,
eher von dem Lebenslauf seiner Seele.
Wenn trotz dieser wahrhaftigen Einleitung
diese Linienzüge dich erschrecken, dann denke daran,
du hattest immer die Wahl, den Brief nicht zu nehmen.
Es war deine eigene Neugier und deine Entscheidung
diesen langen Brief zu öffnen, noch dazu, ihn zu lesen.
denn ich schreibe immer wieder Sprüche
entstanden aus der Bemühung
zu denken so wie ich fühle,
zu sprechen so wie ich denke,
zu handeln so wie ich spreche
beim Vollziehen dessen, was ich sagte
beim Sprechen dessen, was ich dachte
beim Denken dessen, was ich fühlte.
So eine Grausamkeit des Geistes
ist aus Unwahrhaftigkeit abzuleiten.
Doch im wahren Sinn des Wortes Wahrheit:
„Sathya“ ist ein Gottes-Name
mit vielen verschiedenen Vornamen.
Diese Grausamkeit des Geistes
war entstanden aus der Bemühung
zu denken so wie ich fühlen sollte,
zu sprechen so wie andere denken,
zu handeln so wie ich nicht sprechen wollte.
Postmortemgebet
Geliebter
Herr,
dieses Leben
ist vorüber.
Nun erkenne
ich es,
wie einen
stürmischen Traum,
den ich im
Moment des Erwachens
hinter mir
zu Deinen Füßen niederfallen lasse.
Kaum halte
ich noch Erinnerungen an diesen Traum,
obwohl er
sich gerade zeitlich so nah ereignet hat,
aber die
Leidenschaften, Frustrationen, Sehnsüchte,
Schmerzen
und Wünsche, meine irre Suche nach Dir,
die Schläge
der Gesichtsstöße in den Sackgassen des Lebens,
mit seinen
vielen verschlängelten Wegen, Fallen und Umwegen,
brennen noch
in meiner Seele wie vor kurzem in meinem Leibesherzen.
Ich bitte
Dich um Deine Umarmung,
wie von
einem Vater bei der Rückkehr Seines Sohnes
nach langen
Jahren des Nichtwissens,
ob er
zurückkäme, ob er überhaupt lebe...
...drücke
mich an Dein Herz
trotz meiner
vielen Fehler
und lindere
mir dabei dieses Brennen!
Mein
Gewissen schreit vor Schmerzen,
die ich bei
dem unvorsichtigen Entwurf von Flußbetten
für meinen
Strom leidenschaftlicher Sehnsucht
auf der
Suche nach menschlicher Liebeserwiderung,
anderen
Lebewesen unwissend zugefügt habe.
Es war die Suche
nach Dir,
ohne immer
präsent zu haben,
daß Du
selbst es warst, der hier gemeint war,
eher als der
äußere menschlichreizende verwirrende Ausdruck von Dir.
So habe ich
Dir vielmals schmerzlich in Dein Herz gestochen
―
dasselbe Herz, bei dem ich jetzt in Deinem Angesicht
Zuflucht suche ―
bei jedem
Wesen, dem ich aus meiner männlichen Liebe heraus
mein Herz
geöffnet habe, unwissend, dabei
ganz treu
und ehrlich beständig zu bleiben.
Wenn ich zu
diesem Traum zurückkehren muß,
bitte ich
Dich diesmal um Deine Gnade,
fähig zu
sein, diese Sehnsucht bereits bei der ersten
menschlichen
Liebe, die sich in meinem Herzen entfaltet
zur
Sättigung und zur ständigen Wiederbelebung,
aufrecht mit
Deinem Segen für immer beständig
halten zu
können, um diesen neuen Traum
diesmal
glücklich, überglücklich beim Erwachen
zu Deinen
Füßen darreichen zu können.
An deinen
Rücken mich zu lehnen,
deinem
Herzen zu lauschen,
als ob ein
zweites Herz hinter mir
mein Blut
beschleunigte und aufwärmte...
Danach sehne
ich mich,
nach dieser
Rückkehr zu dir
und
zugleich,
nach
Vergessen:
In deinen
Armen Zuflucht zu nehmen,
mich zu
entspannen und diese lange Zeit zu löschen,
die vergehen
müssen wird,
bis der
richtige Zeitpunkt ausbricht,
dieser
heilige Wendepunkt
der Rückfahrt
zu dir.
Gebetsmarathon
Meine Sitzungen in Osnabrück...
Waren sie in Lengerich? ― oder in Langerich?
Sie waren so lange,
so lange die Stunden dieser langen Tage!
Ich wußte nicht, was Tag, was Nacht war,
von früh morgens an bis spät abends,
ohne Pause, ohne Essen, ohne Luft, im Gebet;
ohne dich, ohne mich ¾ wo waren wir so abwesend?
Habe ich noch einen Marathon überlebt?
Oder bin ich diesmal da geblieben,
aus meiner inneren Kletterwand
abgestürzt und zerstreut in kleinste Splitter
zu Füßen des geistigen Bergs danieder liegend?
Ich suche meine Gedanken, meine Gefühle,
meine Erinnerungen meiner selbst,
meine Erinnerungen an mein Leben,
wie jemand, der nach vielen Jahren im Exil
in die Heimat zurückkehrt,
aber in einer anderen Zeit landet
und sich selbst dabei als fremd entdeckt.
(Habe ich aber eigenes Leben überhaupt
um „von meinem Leben“ zu sprechen?)
Ich muß mich zuerst wieder aufbauen,
um zu fühlen ob ich noch lebe
― und dazu wäre so treffend
in einer Kirche neue Kräfte zu sammeln,
in ihrem Altar betend mich als Mönch
zugleich als Mann, wieder zu erkennen!
Ich dachte schon so oft,
nach jedem Gebetsmarathon,
„nie wieder“ ― wie damals beim Absteigen
eines erkletterten Sechstausenders ―
„ich halte so ein Leben nicht mehr aus“.
Und kurze Zeit danach,
stehe ich schon vor einer neuen immensen Bergwand:
Die neue Terminliste der nächsten Woche,
ohne einen Tag um zum Menschsein zurückzukommen,
von morgens bis spät abends voll eingeplant
― und die Pause dabei um etwas zu essen
oder zu schlafen auch schon wieder vergessen!
Der Tag kam zum Ende bevor ich eben zu
mir selbst
wieder kommen konnte.
Ein Wochenende mehr, hinter mir
gelassen,
ließ mich noch einmal ohne Wochenende,
zurück in der Zeit, verzögert,
solo,
aber als Belohnung
mit einem Wochenende weniger vor mir
gelagert,
bis zum Moment meiner letzten Reise,
dem Tod, diesem ersehnten Feierabend!
Sonntag abends.
Abends dieses Sonndertages voller Wahn!
Ich war in dieser und jener Stadt,
voll unterbrochen in meinem eigenen Dasein
trotz eifriger Tätigkeit!
Und war ich in Wirklichkeit auch nicht ganz da
Und doch glaubte ich daran, in dir die ganze Zeit
gewesen zu sein: in deinem Herzen.
Da fühlte ich mich daheim!
Wo hast du mich heute herumgetragen,
wie ein Baby in den Armen hin und her gebracht?
Denn ich fühlte mich in meinem Tageswahn
wie ein Kind in der Wiege deiner Träume
wie, noch genauer gesagt, ein Sproß
in dem Altar deines Mutterleibs,
der langsam keimt,
der langsam träumt,
nämlich alle deine Träume, nach,
bis sehr spät in der Nacht
und noch ohne Worte dich anschaut und fragt:
„wo blieb heute Papa, der nicht kam?“
Und wenn ich irgendwann
auf der Autobahn sterben soll,
wirst du in dieser Nacht davon geträumt haben,
daß ein Engel zu dir wie ein Vogel kam
und einen Samen in deinem Schoß versteckt zurückgelassen hat,
aus dem, mit deinen Tränen gegossen,
tatsächlich ein Sproß wachsen wird.
Eben, mit meinem neuen Namen,
nämlich, dem deines Sohns.
Gebetsunfall
Gestern Nacht ging ich schlafen.
Im Bett schloß ich die Augen
mit dem Gedanken,
„Oh, mein Herr!, wie wäre es,
wenn ich sie nicht mehr öffnete?
Ich bitte Dich, erlaube mir bereits zu sterben!“
Ja, du weißt schon besser Bescheid,
― wenn ich dir dies heute erzählen kann,
ist es deshalb, weil ich dabei scheiterte.
Ich habe trotzdem einen merkwürdigen Traum
in dieser Nacht gehabt:
Ich war beim Autofahren alleine
auf einer leeren Autobahn,
in tiefer dunkler Nacht.
Plötzlich ein Stromausfall.
Die Lichter gingen aus
und bald wurde der Motor still,
Das Auto rollte irgendwohin weiter.
Und ich fühlte, daß ich es jetzt verlasse.
Langsam löschte sich meine Atmung aus...
Allmählich sah ich die Erde wie aus einem Raumschiff.
Ich betrachtete diese blaue Kugel erstaunt,
dabei nahm ich das Auto als meinen Körper,
den Motor als mein Herz wahr!
...und ich merkte überrascht: mein Körper!,
den verlasse ich jetzt endlich auf einmal!
Ein letzter Gedanke holte mich mit offenen Augen ein:
Wenn das Auto jetzt alleine weiter rollen würde,
wem könnte es schaden beim Zusammenprall?
Anrufung
Deinen Worten zuzuhören,
in deiner Stimme zu baden,
schenkt mir die Kraft,
die ich für den nächsten Tag benötige;
gibt mir den Trost, den ich so nötig habe,
um diese Nacht mit allen ihren Träumen
zu bewältigen.
Wenn ich dich heute Nacht anrufe,
sei es telefonisch oder geistig,
ist es nicht deshalb,
weil ich dir etwas zu sagen habe,
sondern,
wie meistens meine an Gott gerichteten Gebete,
nicht um etwas Bestimmtes zu verlangen,
doch aber um deine Stimme zu empfangen!
Wenn ich dir einen Brief schreibe,
auf Papier oder nur in Gedanken,
dann nicht um dir Worte zu schreiben,
vielmehr
um dir Worte zu zeichnen,
nicht dazu gedacht,
um etwas zu sagen,
sondern noch mehr,
um dir Worte zu malen
und doch um dir zu zeigen,
wieviel die Worte verpassen!
Erinnerst du dich an das Meer,
auf dieser Insel, mitten im Ozean?
Wie viele Worte schenkte es uns am Strand,
ohne daß wir je eines verstanden haben,
ohne daß wir damals je gewußt hätten,
daß es uns mit seinen Worten anspräche?
Und doch schenkten wir ihm Aufmerksamkeit,
als es uns die Füße schleckte
und unseren Kuß dabei unterbrach,
nahmen wir seine mit Wellen gezeichneten Worte wahr,
mit Verehrung und Respekt,
wie in einer Vorlesung über Unendlichkeit
gehalten von Herrn Professor Immensität.
Wieviel von seinen Worten verstanden wir damals,
in seinem unfaßbaren Urdialekt, ewig wie es selbst?
Vielleicht schenkte es uns seine Predigt
eben nicht um angehört zu werden
― denn es wußte, daß wir nichts verstehen könnten ―
sondern um uns bei diesem Kuß einfach zu verspäten,
den es sich mit großen Wellen anschaute und schleckte.
Augendritt
Wenn ich die Augen schließe,
sehe ich dich da.
Wenn ich die Augen öffne,
nehme ich dich nicht mehr wahr.
Ich hatte immer gedacht,
um zu sehen solle man die Augen öffnen.
Nun weiß ich schon: das ist nicht immer wahr.
Man kann mit geschlossenen Augen sehen
und mit offenen Augen blind sein.
Bislang,
war ich zufrieden mit dieser Entdeckung
Heute, aber, fiel mir noch etwas weiteres auf.
Vielleicht habe ich noch ein zusätzliches Auge,
das sich heimlich voller Andacht spontan öffnet,
jedesmal, wenn ich an dich denke.
Ist dieses das sogenannte „dritte Auge“?
Und mußte ich so lange warten und erwarten,
um es schließlich so spontan zu entdecken,
zu aktivieren und einzusetzen?
Vor diesem Auge kannst du dich nicht mehr verstecken
― ja, dabei siehst du sogar nackt aus! ―
und um so weniger mir
etwas verbergen,
ich sehe nämlich auch das
― daß du mich auch lieb hast.
Wartungsgebet
Ich warte auf dich seit einem halben Jahr.
Falls es mir gelingen würde,
das ganze Jahr hindurch auf dich zu warten,
könnte ich auf dich insgesamt Eineinhalbjahre warten
― das ist damit bewiesen, daß ich heute,
nach einem halben Jahr, noch auf dich warte.
Würde mir es doch gelingen
Eineinhalbjahre auf dich zu warten,
wäre es sehr wahrscheinlich,
daß ich nach zwei Jahren immer noch auf dich warte.
Könnte ich auf dich zwei Jahre lang warten,
dann könnte ich es doch wohl sechs Jahre auch.
Und wenn ich auf dich sechs Jahre lang
warten könnte, dann wartete ich auf dich
das ganze Leben lang aus reiner Gewohnheit.
Geliebter Herr,
der heutige Tag ist vorüber.
Ich danke Dir für die Müdigkeit,
die mit Zwang meine Augen schließt
um mich in diese Nacht fallen zu lassen.
Ich sage Dir Dank!,
daß ich nun zumindest weiß,
daß ich schon einen Tag weniger
von dem Ganzen vor mir habe.
Wallfahrt
Ich krieche am Fuß des Lebens
wie ein Mönch auf seinem Pilgerpfad
in Richtung auf den ersehnten
heiligen Wallfahrtsort.
Ich zittere wie ein Kletterer
an der steilen Wand
oberhalb Tausend Meter
hohe Vertikale,
unter ungewiß langen Felsen,
die den ersehnten Gipfel verstecken,
unwissend,
ob die Kraft noch reicht,
um ihn zu erreichen,
um abzusteigen,
mit dem gezwungenen Glauben
sich am Leben festzuhalten.
Meine Wallfahrt zu dir
gleicht der Fahrt zu Gott
in Gestalt einer Kirche
― gleich einer Kapelle
im Wald des Lebens ―
versteckt,
ihrer Bescheidenheit wegen,
und empfindsamer Konstitution.
Ich habe keine Landkarte an der Hand
zu diesem heiligen kleinen Ort,
doch aber einen Rosenkranz:
Er dreht sich im Gebet in meiner Hand
jedesmal wenn ich entscheiden muß,
ob nach links oder nach rechts,
weiter nach oben oder einfach da,
wo die Nacht mich entdeckt,
rezitiere ich deinen Namen
bis ich einschlafe mit diesem Wort.
Ich erwache jeden Morgen
(nicht selten in vergossenen Tränen, naß)
auf dieser Glaubensfahrt,
im feuchten Wald meiner Träume.
Auf dem Weg zu dir
habe ich keine Ehre, kein Zuhause,
kein Bett, kein s Hab und Gut.
weil ich alles verloren habe
als ich dich verlor.
Wenn ich morgen sterben würde,
würde ich heute bei dir anklopfen
um dir zu sagen
wie lieb ich dich habe
und wieviel ich schweige.
Da ich entschieden habe
doch schon morgen zu sterben
aber dennoch den Körper zu bewahren,
klopfe ich heute an der Tür deines Herzens an
und mit Angst vor dem Unbekannten,
wie ein Kind,
warte ich ...
...Werde ich hier draußen ganz erfrieren
und auf diese Weise den Tod mich holen lassen,
bevor mein Brief, den ich hier draußen
mir selbst vorlese, in dein Herz gelangen möge?
In der Kunst des Wartens
gibt es einige Geheimnisse,
die ich dir nun verrate.
Das Erste ist die Treue,
die Absicht zum Warten.
Dies verkürzt das Dauern
dieses langen Wartens.
(Dies kannst du dir merken
als das bekannte „4-D-Geheimnis“).
Von allen Künsten ist diese vielleicht die einzige
mit einem unerträglich ausgedehnten Merkmal:
Man kann nie erahnen,
wie lange es noch dauert,
bis man das Werk vollendet hat.
Das Zweite ist das Schweigen.
(Laß es niemand merken,
daß du auf jemanden wartest.
Tue so, als ob es dich interessiere
das, womit du dich beschäftigst,
nur um dieses Verweilen im Warten
zu ertragen).
Und dies läßt mich jetzt erinnern,
bevor ich zum Dritten übergehe:
Schweigen ist eben nun angebracht.
Epiloggebet
Geliebter Herr,
Du kennst meinen Werdegang,
diese irrtümliche Reihenfolge
von gescheiterten Schritten.
Du kennst meinen Lebenslauf
und alle gezeichneten Mäander
meines geschlängelten Weges
zu Dir.
Erahnen kann ich nicht die Wege,
nur mein Ziel: Du ―die Liebe.
Eine Ahnung von dem, was ich suche,
motiviert meinen weiteren Müßiggang:
Die Anlehnung an das Glücksgefühl,
geliebt zu werden und lieben zu
können:
Wie ein kleines Kind
von seiner Mutter gestillt,
wie ein großer Junge
mit seiner Geliebten in den Armen,
wie ein liebendes Mädchen,
sich öffnend für ihre erste Liebe.
Der Weg dahin,
ist mir rätselhaft.
Sogar verwirrend,
manchmal paradox.
Es
gibt Momente,
in
denen ich nicht mehr weiß,
ob
mein nächster Schritt
mich
nach rechts
oder
nach links bringt,
unwissend,
was vorwärts,
was
rückwärts ist.
Ich
weiß nur:
Hier
kann ich nicht stehen bleiben.
Der
Fluß des Lebens treibt mich.
Nur,
ich selbst weiß nicht,
in
welche Richtung er fließt.
Aus
meinem Empfinden heraus,
bin
ich der,
der
in jedem Moment
eine
Entscheidung treffen muß:
den
nächsten Schritt,
die
nächste Stufe,
muß
ich selbst bestimmen,
als
ob ich die Freiheit hätte,
Bestimmungen
zu entwerfen!
Ich fühle mich gescheitert genug:
An jedem Wendepunkt meines Lebens
konnte ich nie eine Entscheidung
treffen,
die zu meinen Gunsten gewesen wäre.
Vielmehr fühlte ich mich gezwungen,
zu entscheiden gegen den eigenen
Willen,
gegen mein Herz und Gefühl...
gegen mich selbst.
Gezwungen von dem Glauben,
gezwungen zu werden,
verlor ich mich in Irrgärten
widersprüchlicher Gefühle.
Dabei mußte ich,
nach jeder falschen Entscheidung,
ihr Falschsein erst dann erkennen,
einmal verloren in Labyrinthen
der Umstände des Momentes.
Sackgassen des Lebens,
in welchen ich mich noch bis heute
blockiert geblieben entdecke.
Ich habe dadurch gelernt,
Angst davor zu haben,
Entscheidungen zu treffen.
Ich
konnte nie
richtige
Entscheidungen treffen;
Ich
wußte vielmehr, wie man von Entscheidungen
getroffen
wird
―
wie an der Front der Krieger
von
den Kanonenkugeln
am
Herzen getroffen fällt.
Ich
bitte Dich diesmal:
Nimm
mich an der Hand,
Führe
meine nächste Bewegung,
entscheide
Du meinen nächsten Schritt,
denn
mein Körper ist Dein!
Ich
bin Dein großes Baby,
das
noch nie laufen gelernt hat:
Es
stolpert,
angezogen
von jedem Reiz,
der
vor seinen Augen erscheint.
Begleite
mich wie ein Vater diesmal
und
bringe mir das rechte Laufen bei!
Es ist Zeit
sich anzulehnen
an den Stuhl des eigenen Lebens,
vor dem offenem Fenster des Gedächtnisses.
Meine Zeit ist vorüber
― die, der Wartezeit.
Ich habe schon so lange
durch unsinnige Handlungen gewartet.
Voller Tätigkeit rannte ich in alle Richtungen hin,
nur um zu entdecken, daß du doch immer dabei bist,
in meinen Gefühlen, Gedanken, Worten und Gesten.
Ich wartete damals, ohne zu wissen,
daß ich auf das Glücksgefühl der Liebe wartete,
doch dies der menschlichen Liebe erwartete
― die,
die andächtig leidenschaftliche Liebe,
die,
mit Hunger und Geschmack nach Leben,
die,
mit Geruch nach Erde mit Ernte,
die, obwohl vergänglich,
doch augenblicklich ewig,
wie deine duftende intime Blume...
Ich habe diesen Duft in dem Geruch
der Erde nach dem Herbstsregen,
die noch die Erinnerung des Sommers trug,
in meinen alleinigen Waldgängen gesucht.
Dabei hat die Qual meines Gedächtnisses
den trockenen Weg meines Mönchwerdens
mit Tränen wie Sommerregen überflutet.
Meine Zeit ist nun erschlossen,
denn ich habe diese Liebe gefunden
und verloren,
aus Händen,
die ich als eigene erkannt haben müsste,
die ich selbst geöffnet habe
― deshalb darf ich mich nicht beklagen.
Doch mein Schmerz ist so gewaltig,
daß ich nichts übrig in der Hand habe,
als mich anzulehnen vor der offenen Tür
zum Tode...
Woher kommt der Wind?
Was treibt er hin und her?
Was macht ihn eigenwillig windig,
und plötzlich unerhört still?
Warum weht er vehement,
als ob er immer verspätet
zum Ziel strebte?
Reitet er auf Wolken
wie auf Stutenrücken
oder wie auf wilden Hengsten?
Varuna ist sein Name,
habe ich gehört
und aus seinem Ruf aus dem Rig Veda
entnehme ich, er sei ein geweihter Held,
wie ein edler Märchenritter auf dem Pferd,
der mit dem Schwerte im Himmel neue Auswege
uns allen im Schlachtfeld dieses Erdenlebens öffnet.
Gestern fasste ich alle meine Schreiben zusammen,
und band die Papiere zu einem kleinem Buch.
Ich verpackte es, gegen Regen, Wind, Sturm und Blitz,
richtig geschützt, und kaufte einen Luftballon dazu.
Ich fügte noch ein leeres Blatt mit einem Stift hinzu,
mit der Bitte, mögest du mir aufschreiben: wo und wie
ich dich treffe, deinen Namen und sonstigen Wunsch.
Ich füllte den Ballon mit leichtem Helium, ganz voll.
Den Abflugtag, die Uhrzeit mit Minutenpräzision,
mußte ich mit astrologischer Genauigkeit einschätzen.
Gebunden mit einer silbernen Schnur
flog meine Post direkt zum Himmel
wie eine Rakete in Gott Varunas Hände.
Das Begleitgebet an die Himmelsengel
ähnelte einem Requiem im Momente
der Verabschiedung einer Seele,
weiß man nicht, zu welchen unbekannten Welten.
Nun bleibe ich wieder allein in der Einsamkeit,
um meine neue Dummheit tiefer zu betrachten.
Ob ich einen Absendernamen geschrieben habe?
Omen
Ich lief unaufmerksam durch den Garten.
Plötzlich, auf seinem Pfad zum Himmel
wollte ein Vogel einen Abstecher wagen,
und fiel in Versuchung auf meiner Brust zu landen.
Er selbst fühlte sich noch dazu eingeladen,
sich in meinem Herzen einzunisten und dazubleiben
― ohne daß ich selbst etwas davon erfahren hatte.
Als ich ihn entdeckte,
fragte ich ihn vergeblich:
Was machst du hier?
Wo kommst du her?
Was für eine Botschaft bringst du mir?
― aber er reagierte nicht und blieb in mir
mit einer solchen Selbstverständlichkeit,
daß ich letztendlich mich selbst fragen sollte:
Was mache ich hier?
Wo komme ich selbst her?
Was für ein Omen wächst in meinem Herzen?
Und von wem erhielt ich die Ehre
plötzlich sein Baum zu werden?
Flußkriech
Ich gehe dahin,
wo die Spontaneität des Lebens mich hinführt;
wie ein Fluß,
der einfach dahin fließt,
wo sein Flußbett hinführt,
wo es immer niedriger wird,
wo er an Einfachheit gewinnt,
da er spontan mit Freiheitsgefühl
sich bei einem Hindernis nicht anzustrengen versucht;
wie eine Katze schleicht er einfach vorbei, herum.
Er verkörpert die Gelassenheit und erweist Geduld.
Obwohl das Hindernis so groß wie ein Berg aussieht,
sieht er sich selbst nie aussichtslos oder deprimiert,
weil es ihm immer gelingt die andere Seite zu erreichen,
sei es ein sanfter Hügel oder ein imposantes Massiv.
Und so fließt er immer treu zu seinem Ziel:
der Verschmelzung mit dem Meer,
der Auflösung seiner selbst.
Trotz so vieler Gefahren auf dem langen Wasserweg:
Rohre, wo er sich vorübergehend eingekerkert fühlte,
aus denen er unter Druck immer zu entfliehen wußte;
Mäander, die einluden in Irrgärten sich zu verlaufen;
Seen, in denen er angestaut lange aushalten mußte;
Wasserfälle, wo er sich endlich beeilen konnte...
macht er sich keine Sorgen und vertrauensvoll befolgt er
das zugeschriebene Schicksal seines eigenen Flußbetts.
Und wenn es ihn in die Sackgasse einer Wüste,
wo er ausgetrocknet sterben könnte, führte?
― fragst du dich. Dann zeige ich dir diese Wolke,
die, die in Richtung zum Meer hin der Wind beschleunigt:
Sie ist auch einmal ein Fluß oder ein Teil von ihm gewesen.
Du bedauerst den Verlust von ihm als laufendes (fließendes?)
Gewässer.
Er aber erfreut sich, sich als Himmelswolke zu erkennen
und nicht weiter als eine Schlange auf Erden bettelnd.
Und zwar kriecht er nicht mehr, fliegt nun zum Meer
und erreicht sein Ziel als Regen auf dem Ozean
― ja, wesentlich schneller.
Begegnung
Als ich dich zum ersten Mal im Garten sah,
wußte ich nicht, was das für mich bedeutete.
Als ich dir zum zweiten Mal begegnete,
wußte ich, ich möchte in deiner Gegenwart,
wie ein Kind, so lange wie möglich verweilen.
Als ich dich zum dritten Mal betrachtete,
war es mir vom Gefühl klar, aber nicht vom Verstand,
daß ich auf dich so lange gewartet hatte.
Als ich dich endlich bei mir empfangen habe,
spürte ich, dir gegenüber, alle Körperzellen
wie Sonnenblumen, die sich dir öffneten.
Ich erforschte dieses glückliche Schicksal,
doch zum Glück in meinem eigenen Leibe,
nämlich, meinen Körper wie einen Choral
von unzähligen Mündern, die sich öffneten
um alle gleichzeitig einen Ton ertönen zu lassen,
nur aber um dir einen Kuß darzureichen.
Ich staunte nur, dieses Gefühl zum ersten Mal zu erleben.
Was bedeutet dies, dieses Aufblühen meines ganzen Körpers?
Ich suchte jede Gelegenheit, selbstverständlich ohne Verstand,
versuchte ich von nun an, einfach an deine Seite zu gelangen,
wo ich mich wie eine Blume in trockener Wüste des Lebens erkannte.
Was für ein Duft entstand da unter uns zweien?
Würde ich ihm einen Namen erteilen,
müßte ich ihn als Harmonischer Frieden bezeichnen.
Ich verstand es nicht, so zart zu sein,
wie ich es plötzlich mit dir war.
Ich verstand es nicht, so lieb zu sein,
wie ich selbst plötzlich Liebe war.
Ich wußte nicht, daß dieser Duft, diese Zärtlichkeit,
diese Liebe, der Kern aller meiner Zellen war.
Ich wußte nicht, daß diese Wörter, Harmonie und Frieden,
für die Entfaltung der Liebesfähigkeit eines Mannes standen.
Dieses Ereignis brachte mein Wörterbuch der Gefühle,
das ich im Verlauf meines Lebens als Hobby entworfen habe,
ganz durcheinander, ähnlich jemandem, der eine Fremdsprache lernt,
und irgendwann das entsprechende Land besucht, ohne zu verstehen,
daß niemand hier so redet,
wie es in den Büchern steht,
sondern im Dialekt!
Ich gab dir den Schlüssel zu meinem Herzen,
mit der Bitte, du mögest zu jeder Zeit hereintreten.
Ich möchte keine Anmeldung, doch aber dieses Herzrasen,
wenn alle meine Zellen sich öffnen, und ich dann weiß, du bist da.
Prema
Weißt du eigentlich,
was du in mir berührst hast?,
was du in mir hast auslösen lassen?
Weiß ich eigentlich,
was in mir getroffen wurde?
was in meinem Herzen entdeckt worden sei?
Es gäbe doch ein Wort um dies zu bezeichnen,
ein universal intimes Wort,
das für mich wie neu erscheint,
nämlich ein neues Wort,
kein gewöhnliches Wort
im Wörterbuch versteckt,
sondern etwas Heiliges
wie ein persönliches Mantra,
das nicht nur durch Bedeutung,
nicht nur als Klang oder Geschmack,
nicht nur als Gedanke zu bewerten sei.
Vielmehr als Extasegefühl
des ersten Kontaktes mit Gott,
der dieses Mantra erweckt.
Und dieses Wort heißt,
verrate ich nun, nur dir allein,...
Halt ! ― es ist etwas
so unglaublich Heiliges !
Es darf nicht ausgesprochen
werden,
mitten im Lärm des
Tageswahns.
Warte auf die Stille dieser
Nacht.
Erscheinung
Wie kann die Zeit sich plötzlich so umräumen,
daß ich immer Zeit zu denken erschaffe,
an dein Dasein in meinen letzten Träumen?
Was für einen Wind, in solchen Momenten,
bläst in die Segel meiner Seele
zum turbulenten Meer des Lebens?
Woher kommt diese Antriebskraft,
die mich ständig daran zu denken treibt,
ob du mir im Traum von heute Nacht
noch einmal begegnen wollen wirst?
Ich weiß von dir so wenig, kenne ich deinen Namen?
In welcher Form darf ich dir Gestalt geben?,
als Bild?, als Klang?
Ich brauche etwas Konkreteres um mir dich
vorzustellen; wie soll ich dich nennen,
während dieses langen Tageswahnes?
Ich vermute schon allmählich woher ich dich kenne,
― wage aber noch nicht weiteres zu sagen;
deine Erscheinung in meinen Nächten ist der Segen
für meine Tage, so bewahre ich dich wohl ohne Namen.
Dein Bild aber hat mich tief im Herzen getroffen.
Obwohl unklar, habe ich es zum Glück im Gedächtnis.
Erlaube mir, es bitte mindestens so verschwommen
im Schatz meiner Träume noch heimlich zu bewahren.
Umwandlung
Was hast du mit mir gemacht?
Ich finde mich selbst nicht mehr da,
wo ich mich gewöhnlich in der Zeit,
im Raum, gefunden und eingelebt hab’.
Was hast du mit und in mir herumgetan?
Wo bin ich gelandet, in einem
Märchenland?,
als ich dir begegnete, hier zum ersten Mal
!
Seitdem schaffe ich es nicht weiter,
jenseits dieses geistigen Bereiches,
der heißt, dich ständig in Gedanken
überall präsent zu haben, fortzuschreiten.
Hast du mich innerlich doch umgewandelt?
Als Fee mich bezaubert oder verzaubert?
Zu wem hast du mich gemacht?
Ich fühle mich nun wie ein Mönch,
der als Mann zum ersten Mal
Gott in Gestalt einer Frau entdeckt hat.
Und die Augen reichen nicht mehr aus,
alles zu beobachten: das Himmelreich,
ist endlich auf der Erde gelandet!
Langsam kann ich mir deinen Zauber merken,
was du in mir auslöstest ist
übermenschlich.
Es wurde mir zum ersten Mal klar,
daß ein Knoten erwürgend in meinem Inneren
war
― gestrickt in der Vergangenheit
vielleicht?
Verstrickungen gescheiterter Liebelei?
Auf jeden Fall entstanden und nun entdeckt
hast du es zugleich in mir aufgelöst.
Ich atme wieder tief und frei
und wundere mich, dabei
wie das Ganze so lange dauern mußte,
bis ich wieder frei zu atmen fähig wurde
und ich endlich in mir merkte, daß auch
mein Herz,
bis zu diesem Moment kaum atmen konnte.
Es hat wieder das Atmen gewonnen.
Ich fühle jetzt, es schlägt und tanzt,
bezaubert meinen Alltag und läßt mich fallen
jenseits von Raum und Zeit.
Eden
Eine Frau,
für einen Mönch,
ist wie eine Blume in Gottesgarten.
Er darf sie unaufmerksam beobachten,
ja sogar mit Abstand ihren Duft
erforschen.
Er darf vielleicht, wenn die Zeit schon
reift,
ihre zarten Blätter streicheln,
ohne ihr Angst dabei zu machen.
Was ein Mönch auf keinen Fall wagen darf,
wäre sie für sich plötzlich wegzupflücken.
Es kann wohl sein, du glaubst, es wäre
hier schon für ihn so weit!,
daß diese lange Annäherungszeit ihn
vollkommen überwältigt hat.
In Wirklichkeit, hat er vielleicht diese
ersten Stufen verpaßt:
Sie richtig und genau zu beobachten, zu
riechen und zu erforschen.
Wieviel Zeit hat er eingebracht,
wie tief hat er all dies genossen?
Wundert es dich dann wenn sie bereits in
seiner Hand,
beginnt ihre Flügel zu schließen, zu
ersticken, zu verdursten?
Hatte sie Zeit genug für die Entfaltung
ihres Pollens?
Oder löscht er ihr ihren Duft, das Wesen
einer Blume?
Liebesziehungen
Die Liebesbeziehungen eines Mönches bestehen aus Briefen,
wie der Himmel besteht aus Wolken.
Du meinst, der Himmel als Leinwand einer einwandfreien Sonne
erweist seine Reinheit durch reines Blau.
Aber was für ein Trauriger würde dein Haupt bergen,
wenn er keinen weißen Flecken frei zu segeln erlaubt?
So wie der Blaue Himmel nicht nur aus Sonne besteht
sondern auch aus Mond, Kometen und Sternen,
bestehen die Beziehungen eines Mönches
nicht nur aus Papierbergen zur Sättigung des Feuers,
sondern eher noch aus Träumen schlafloser Nächte.
Du denkst, die Perfektion in der Kunst des Mönchwerdens,
bestünde aus unermüdlichen Wachgebeten,
die kein Gefühl für seinen Körper genehmigten.
Ist sein Herz aber nicht im selben Körper eingebracht?
Denkst du auch, die Vollkommenheit des Himmels in der Nacht
sei nach perfekter Dunkelheit zu bewerten?
Was für ein trauriges Leben für Poeten,
die keinen Mond anzusprechen hätten!,
für Astronomen, mit zwecklosen Teleskopen;
für Astrologen, ohne Gestirne zu berechnen!
Treue
Die Stärke eines Mönches ist die Treue
seiner Beziehung zu dem Göttlichen.
Er darf keine anderen Träume pflegen,
die ihn auf seinem Weg zur Verschmelzung
mit der Urquelle ablenken könnten.
Er soll aber klug genug und ständig wach
sein, denn
es kann sein, daß Er in einer anderen
Gestalt erscheint,
als der, die er als Mönch sich hätte
vorstellen können.
Wachsam wie ein Krieger auf dem
Schlachtfeld des Lebens,
darf er nicht verschlafen, muß ständig
wachen,
und willig für jeden Einsatzt bereit sein.
So ist es auch im Kloster, Schlachtfeld
der Seele,
für diejenigen, die sich als Auserwählte
erkannten,
die Ehre zu erwerben, in jedem Moment ihr
Leben
aus reinem Herzen dem Herrn zum Opfer
hinzugeben.
Diese Ehre der Ehe mit dem Göttlichen
ist nicht weniger bewegt
als die Ehe mit dem Menschlichen.
Sie sind nicht als Soldaten auf der
Leinwand zu betrachten,
nicht als Helden auf der Bühne zum Spaß
der Zuschauer.
Auch solche Krieger ertragen Demütigung
und Schmerzen,
Ängste, Frustrationen und scheitern
aufrecht zu bleiben,
entsprechend dieser hohen Ehre, als Mönch
anerkannt zu werden.
So wie die Narben Aufzeichnungen in der
Haut des Feldherrn sind,
sind die Tränen Auszeichnungen in der
Seele eines Mönches.
Und mit dieser Einführung laß mich jetzt
erklären,
warum ein treuer Mönch, nicht dadurch zu
bewerten wäre,
auf Dauer frei von Fallen in Versuchungen
zu bleiben.
Wie ein Krieger, ist er trotzdem nicht zu
entwerten,
wenn du ihn im Herzen getroffen,
gefallen auf dem Feld entdecktest.
Wichtig ist die Treue zu den Idealen,
wofür sie kämpfen.
Nämlich etwas Erhabenes zu erreichen, sei
es ein Reich,
sei es etwas Abstrakteres, wie der
Bergriff von Gott,
so fremd, so oft, so groß, so weit, so
nah.
Und genau so bin ich dabei zu fallen,
getroffen im Herzen,
von diesem Pfeil der Liebe in Gestalt
einer schönen Dame.
Wie kann ich dies alles vereinbaren?
Mögen wir vielleicht meine Träume so
betrachten:
Es könnte Gott in Seiner Weiblichkeit
erscheinen,
die gerade meine kluge Treue zur
Göttlichkeit,
in Gestalt des Ewigweiblichen, zur Prüfung
brachte?
Vergessene
Kerze, brennend im Altar,
in einer
geschlossenen Kirche allein,
wacht sie
einsam, still und nackt.
Der Priester
erwacht auf ihren Ruf hin.
Mit rasendem
Herz in seinem Traum
fühlt er
sich schleichend hingezogen
zu dieser
kleinen Kapelle mit dem Aussehen einer Kathedrale
und
brennendem Feuer in ihrem Mutterleibaltar:
Brennendes
Licht, das sie zum Gottesdienst bereit erklärt.
Die
Kirchenarchitektur in der Intimität der dunklen Nacht
enthüllt
eine sinnliche Schönheit, verborgen während des Tages.
Der Priester
läuft langsam und allein, voller Andacht durch den Heiligengang
und beugt
sich ehrfurchtsvoll vor der Heiligkeit des Göttlichen Altars.
Aus dem
Himmel fühlen sich die Engel angerufen zu diesem urtümlichen Ritual.
Am höchsten
Punkt des Gottesdienstes,
erhebt er
den entdeckten Kelch zum Himmel.
Es ist der
Moment des Magnifikats, in dem
der heilige
Saft dargereicht
aber nicht
getrunken wird:
Kaum die
Lippen benetzen
lautet das
Gesetz
des
Heiligengrals.
Du!,
Zaubertrank,
der den
berauscht,
der einfach riecht,
im heiligen
Gottesdienst!